Verliert Reichenbach an Attraktivität oder baut die Stadt nur Überkapazitäten ab? Das war die Frage am Montag, den 01.12.2025.
Wir haben uns stets für den Erhalt der Krippen-, Kita-, Hort- und Schulstandorte ausgesprochen. Die in Reichenbach vorhandene Trägervielfalt und die Tatsachen, dass Eltern hier ohne Weiteres einen Kindergartenplatz für ihre Kleinsten bekommen, ist ein Standortvorteil, den es zu erhalten gilt.
Dem steht der gestern gefasste Beschluss nicht entgegen. Im Gegenteil.
Reichenbach verfügt derzeit über vier Grundschulstandorte, hat aber perspektivisch nur einen Bedarf für lediglich zwei dieser Standorte. Die Neuberschule und die Dittesschule wurden in den letzten Jahren umfassend saniert und haben die Kapazitäten, zukünftig alle in Reichenbach zu erwartenden Schüler aufzunehmen. Die Weinhold-Oberschule kämpft bereits jetzt mit Platzproblemen und ist die einzige Oberschule im gesamten Stadtbezirk. Auch diese Schule wurde zuletzt umfassend saniert. Und diese Schule ist die einzige barrierefreie Schule im Stadtgebiet. In fünf Sitzungen berieten Stadträte, Stadtverwaltung, Träger von Krippen, Kita- und Horteinrichtungen, aber auch die Schulleiter der städtischen Schulen in der auf Antrag der Fraktionen BIRM/GVR/BITex, FDP und FWRC eingerichteten Arbeitsgruppe „Zukunft unserer Kita-Landschaft 2030“. Hier diskutierten also die Verantwortlichen und wirtschaftlich Betroffenen. Grundtenor war, dass besonders die wirtschaftlich betroffenen Träger der von dieser Entscheidung abhängigen Krippen-, Kita- und Horteinrichtungen eine schnelle Lösung forderten, um Planungssicherheit zu erhalten. Entgegen der teilweise auch in der Presse zu lesenden Meinung, waren diese Beratungen ergebnisoffen.
In der ersten Sitzung dieser AG wurden Leitlinien für die zukünftige Struktur der Schul- und Kitalandschaft gemeinsam erarbeitet und definiert. Anhand dieser Leitlinien erfolgte dann eine Bewertung der einzelnen Grundschulstandorte. Entgegen dieser Leitlinien und entgegen des Haushaltskonsolidierungskonzeptes der Firma B&P entschied sich die AG mehrheitlich (in einer völlig unverbindlichen Abstimmung) für den Erhalt von drei Grundschulstandorten und nicht, wie wirtschaftlich sinnvoll und im Haushaltskonsolidierungskonzept auch so hinterlegt, für lediglich zwei Standorte.
Dem können wir zustimmen. Denn Reichenbach verliert mit lediglich drei Grundschulstandorten weder an Attraktivität, noch wird die Trägervielfalt in den Krippen-, Kita- und Horteinrichtungen verloren gehen. Und es können auch zukünftig alle Reichenbacher Kinder, sofern deren Eltern das wollen, in Reichenbach unterrichtet werden. Gleichzeitig wird die Oberschule gestärkt. Denn hier ist ein Zuwachs der Schülerzahlen in den nächsten Jahren zu erwarten, sodass hier ggf. nicht alle Reichenbacher Oberschüler in Reichenbach unterrichtet werden könnten. Und wie sollen wir den Eltern der jetzigen Grundschüler dann erklären, dass vier Grundschulen halb leer stehen, aber die Oberschule keinen Platz für die nunmehr in die Oberschule gelangten Kinder habe?
Gleichzeitig behalten wir mit dem Grundschulstandort in Mylau nicht nur eine Redundanz für den Fall, dass in den nächsten Jahren unsere Region wieder Zuzug erfährt, wir erhalten auch die Attraktivität des Wohnstandortes Mylau und sichern die einzig dort verbliebene Kita- und Horteinrichtung. Während es einigen Stadträten lediglich um den Erhalt der wohnortnahen Schule ging, haben wir diese Entscheidung aufgrund von Abwägungen und anhand der in der AG erarbeiteten Leitlinien der AG getroffen.
Unser Stadtrat hat sich gemeinsam mit seiner Fraktion, bis auf die Dittesschule sämtliche Grundschulen angeschaut, hat sich die Konzepte erklären lassen und hat die Chancen und Risiken mit den entsprechenden Schulleitern diskutiert. All dies machen die Stadträte übrigens in ihrer Freizeit. Auch ein Beleg dafür, dass sich die BITex diese Entscheidung nicht leicht macht.
Soweit von Stadträten und Teilen der Eltern die Bildung von DAZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) als Begründung für diese Entscheidung angeführt wurde, so ist dies ebenso falsch und auch unanständig. 156 Kinder besuchen in Reichenbach solche Klassen. Das wären insgesamt fünf Klassen. Hätten wir diese Kinder nicht, so würden wir tatsächlich über Schulschließungen sprechen und nicht nur über Umverlegungen. Unser Apell an die Eltern lautet daher, lassen Sie sich nicht vor diesen Karren spannen und spielen Sie nicht einzelne Bevölkerungsgruppen gegeneinander aus!
Fazit:
Der BITex ist keine Stadt bekannt, in der dieses Thema mit so viel Arbeit und unter Einbeziehung so vieler Akteure bearbeitet wird. Und hier wollen wir mit dem letzten Vorwurf aufräumen, der die Transparenz betrifft. Es gibt einen Unterschied zwischen Transparenz und Mitbestimmung. Einbezogen wurden die Verantwortlichen (Entscheidungsträger) und die wirtschaftlich Betroffenen. Mit Letzteren sind nicht die Eltern gemeint, deren Anfahrtsweg zur Schule sich verlängert oder die sich umorganisieren müssen. Im Stadtgebiet werden alle Schulformen und auch die Gebäude erhalten. Kein Schüler muss, sofern seine Eltern das nicht wollen, in einer anderen Stadt unterrichtet werden. Gleichaltrige Schüler teilen sich Schulhof und Außenanlagen. Aus der Zusammenlegung ergeben sich sicherlich auch zukünftig positive Effekte auf den Personalkörper. Und, und das ist das Wichtigste, für die Kinder ändert sich nur das Gebäude. Der Klassenverband wird beibehalten, die Lehrer bleiben dieselben und auch das Konzept bleibt erhalten. An der Neuberschule werden die Kinder der Weinholdschule sehr gute Lernbedingungen vorfinden.
Wir sind der festen Überzeugung, dass mit der Entscheidung der Standort Reichenbach insgesamt gestärkt wird. Wir kommen mit der Entscheidung aber auch unserer Pflicht, Schaden von der Gemeinde abzuwenden, nach. Auch unserer Verantwortung den Trägern von Krippen-, Kita- und Horteinrichtung gegenüber, für die Verlässlichkeit der Aussagen und Planbarkeit unabdingbar sind, werden wir damit gerecht.


