
Mit dem nun endgültigen Auszug des Institutes für Textil- und Ledertechnik der Westsächsischen Hochschule aus dem Gebäude der ehemaligen Textilfachschule in Reichenbach steht erneut eine Frage im Raum: wie soll diese denkmalgeschützte Immobilie, ein wertvolles Zeugnis von Bauten der Neuen Sachlichkeit, weiter genutzt werden?
Nach dem 2011 erstmals verkündetem Aus für den Standort Reichenbach der Westsächsischen Hochschule Zwickau setzte sich die im gleichen Jahr gegründete Bürgerinitiative BITex nachdrücklich für den Erhalt dieser traditionellen Ausbildungsstätte bzw. eine adäquate Nachnutzung ein, um den Bildungs- und Forschungsstandort Reichenbach zu erhalten. Nachdem eine Lösung für die Textilausbildung nicht mehr möglich schien, konzentrierten sich die Anstrengungen auf Alternativen. Angesichts des guten Rufes der Sächsischen Kältefachschule Reichenbach und der hier angesiedelten Produktionskapazitäten der Klima- und Kältetechnik bot es sich an, auf diesem Gebiet in Reichenbach einen Schwerpunkt zu setzten. Im Ergebnis der Diskussion auf verschiedenen Ebenen kam es zu einer Kooperationsvereinbarung mit dem Freistaat Sachsen, vertreten durch Ministerpräsident Kretzschmer, über die Errichtung eines Kältekompetenzzentrums, in das auch Forschungskapazitäten der TU Chemnitz einbezogen sind, in Reichenbach.
Mit der Unterzeichnung dieser Kooperationsvereinbarung im Jahr 2019 keimte erstmals seit 2011 wieder Hoffnung auf, in unserer Stadt neben Ausbildung auf hohem Niveau wieder Forschung zu ermöglichen. Die Stadt Reichenbach fasste daraufhin, in Anbetracht der finanziellen Situation sächsischer Kommunen, mutige Beschlüsse, schaffte Baurecht und übertrug letztlich ein vollständig erschlossenes und beräumtes Gelände an den Freistaat. Immer in der Hoffnung, dass nunmehr über die Lippenbekenntnisse hinaus Taten folgen.
Die finanzielle Untersetzung der ehrgeizigen Pläne ist nun die nächste Herausforderung für alle Akteure. Wir freuen uns, dass der Oberbürgermeister das Thema aufgriff und damit eine Diskussion entfacht hat. Während die Errichtung eine Forschungshalle auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes gesichert erscheint, ist die Erweiterung der Ausbildungskapazitäten noch nicht gesichert. Wie der FP vom 12.02.2026 zu entnehmen war, werden dafür verschiedene Varianten in Erwägung gezogen – von Neu- und Erweiterungsbauten bis hin zu einer Umsiedelung in das Tex-Gebäude. Die Stadt Reichenbach bevorzugt die Nutzung des Tex-Gebäudes, während Kältefachschule und die Innung für Klima- und Kältetechnik angesichts unklarer Finanzierung der notwendigen Baumaßnahmen in der Tex Erhalt und Erweiterung am bisherigen Standort favorisieren. Alle Betroffenen schreckt ab, wie die notwendigen Baumaßnahmen in dem Tex-Gebäude und dessen Betrieb in der Zukunft zu finanzieren ist. Hier sehen wir den Freistaat Sachsen in der Pflicht. Ein Punkt kam aber bisher nicht zur Sprache: Der Vogtlandkreis als Träger des Beruflichen Schulzentrums hätte nach dem Umzug der Klimatechnik die Möglichkeit, seine Landwirtschaftsschule in der Rathenaustraße zu erweitern oder andere, zukunftsträchtige Ausbildungszweige dort anzusiedeln.
Ausgehend von der Festlegung im Jahr 2011, Ausbildung und Forschung in Reichenbach einzustellen bis hin zu nicht eingehaltenen Zusagen über eine adäquate Nachnutzung der Tex besteht für das Land eine dringende Verpflichtung, sowohl den Bildungsstandort zu stärken als auch vorhandene Forschungsmöglichkeiten zu stärken. Diskussionen über Verantwortlichkeiten in Bezug auf eine weitere Verwendung der Immobilie helfen dabei nicht, sondern eine verantwortliche Entscheidung ist gefragt. Diese erwarten wir von der Sächsischen Landesregierung.
Der mutige Plan vom Kältekampus in Reichenbach, vom ehem. Güterbahnhof bis zur Tex, kann wahr werden, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen.

